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Conducteur

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Samstag, 31. Oktober 2009, 00:28

Bahnhof Jedlesee vor 25 Jahren

Im Februar 1984 lag es bereits fast 25 Jahre zurück, daß die Strecke über die Nordwestbahnbrücke eingestellt und Jedlesee zu einem winzigen Endbahnhof geworden war, dessen Gleise unmittelbar vor der Pragerstraße endeten. Es lag fast 15 Jahre zurück, daß die Lokomotivfabrik Floridsdorf ihren Betrieb eingestellt hatte. Die HW Jedlesee hatte auch bereits vor mehr als 56 Jahren den Betrieb eingestellt. Auch den Anschluß zur Dampftramway gab es damals bereits seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Verlängerung der Nordbrückenschnellstraße über die Prager Straße hinaus bis zur Brünner Straße gab es damals jedoch schon. Nur hatte sie noch nicht die heutige Dimension und berührte den Kern des alten Bahnhofs kaum. Dort schien in vielerlei Hinsicht die Zeit stehengeblieben zu sein. Jedlesee atmete noch den alten Geist, allerdings bereits mit stark nekrophilen Zügen. Bevor man von der Prager Straße zm Aufnahmsgebäude kam, mußte man einen schienengleichen Bahnübergang queren. Unterführung und Mittelbahnsteig gab es nicht. Zäune waren in der seinerzeit üblichen Holzbauweise errichtet. Sie stellten eher ein symbolisches als ein physisches Hindernis dar. Das reichte damals. Man hatte noch Respekt, wußte, wo die Grenzen sind und akzeptierte diese. Graffiti war damals in Jedlesee noch unbekannt. Über die Bahngleise führte ein alter Bahnsteg entlang der Bahnsteggasse, der mit der Verlängerung der Nordbrückenstraße zur Brünner Straße sogar verlängert wurde, um auch die östlich der Gleise verlaufende, neue Schnellstraße zu überspannen. Daß man die Fußgänger ebenerdig das moderne Verkehrsgewühl, behindert durch zahlreiche Ampeln und im Qualm der Abgase und im Lärm des Straßenverkehrs, queren läßt, kam erst mit dem nächsten Modernisierungsschub, der weiteren Verlängerung dieser Straße, die auch den endgültigen Tod von Jedlesee bedeutete.

Wie gut hätte sich doch Jedlesee und die alte Nordwestbahntrasse für ein wirkliches Nahverkehrsnetz geeignet. Heute muß jeder, der gar nicht ins Floridsdorfer Zentrum will, dorthin, wenn er irgendwohin weiterkommen möchte. Statt eines Verkehrsnetzes gibt es einen Verkehrsstern. Bis zum zentralen Umsteigeknoten am Franz Jonas Platz sind einige Ampelphasen zu überwinden, und wenn sich irgendwo die Möglichkeit einer zusätzlichen Ampel ergibt, wird diese bestimmt errichtet. So dauert die Fahrt vom entlegendsten Bezirksteil bis zur Peripherie des alten Ortes Floridsdorf, bis zum alten Bhf. Jedlesee z.B., oft genauso lang, wie dann von dort bis zum Franz Jonas Platz. Und wenn man z.B. von Jedlesee zum Gürtel wollte, führt heute der effizienteste Weg über eine Brigittenau-Rundreise (Handelskai, Dresnder Straße, Jäger Straße TGM).

Richtiges Leben spürte man 1984 in Jedlesee zwar nicht mehr, aber es gab gepflegte Gleise, darauf standen fast immer Waggons abgestellt, und man konnte vom Bahnsteg aus die Anlagen relativ gut überblicken. Es gab das Aufnahmsgebäude (noch ohne Graffiti und noch ohne eingeschlagene Fenster), es gab den Güterschuppen mit dem Ladegleis, es gab die alten Zufahrtsgleise zur HW Jedlesee, und es gab einen Gleisanschluß.

Hier ein paar Eindrücke vom Bahnhof Jedlesee vom Februar 1984.

Die Zufahrtsstraße zum Bahnhof von der Prager Straße. Rechts noch die Gebäude der Holzhandlung, auf deren Gelände sich heute eine Gstättn befindet, die bis unmittelbar an die Prager Straße heranreicht.
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Samstag, 31. Oktober 2009, 00:40

Etwas näher am Aufnahmsgebäude erkennt man den noch mit Andreaskreuz gesicherten Bahnübergang der Zufahrtsgleise zur ehm. HW Jedlesee. Die alten Holzzäune entfalten eine formschöne Wirkung und fügen sich ästhetisch in die Umgebung ein. Einzig die "Halten Verboten" Tafel wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper. Im Vergleich zu heute schaut es dort damals gepflegt aus.
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Samstag, 31. Oktober 2009, 00:49

Eine geschichtliche Abhandlung über den Bahnhof von Ernst Sladek findet man unter http://www.bahn-austria.at/report_Bhf.Jedlesee.htm.

Eine sehr gute und übersichtliche Abhandlung über die HW Jedlesee von Ing. Peter Gaider und Ernst Sladek aus dem Jänner 2008 findet sich in http://www.bahn-austria.at/report_bahnwst.jedlesee.htm. Dort befindet sich auch ein alter Gleisplan des Bahnhofs, der HW und der Zufahrtsgleise.

Hier die Zufahrtsgleise zur alten HW Jedlesee aus anderer Perspektive. Dieses Photo kam auch in einem Rätsel vor, welches die alte HW Jedlesee zum Ziel hatte. Siehe auch Sonntagsrätsel Eisenbahn (gelöst)
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Samstag, 31. Oktober 2009, 00:54

Das nächste Bild zeigt das Aufnahmsgebäude von der Gleisseite mit den alten Streckengleisen Richtung Jedlersdorf-Transit, im Rücken den ehm. Bahnübergang über die Prager Straße. Wunderschön sind die alten Baumbestände, die bei anderen Bahnhöfen meistens Opfer der Elektrifizierung wurden. Bahnsteg und Güterschuppen mit Verladerampe runden ds Bild ab.
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Samstag, 31. Oktober 2009, 01:05

Hier eine Nahaufnahme des Aufnahmsgebäudes von der Gleisseite. Links vorne auf dem Stein eine Gedenktafel, die man heute dort vergeblich sucht. Man beachte, wie Bäume und Giebelverzierungen ihre Schatten werfen. Eine so ästhetische Architektur sucht man heute vergebens. Der damalige Architekt versuchte, sein Bauwerk möglichst harmonisch in die Umgebung einzubinden, und unterwarf sich ganz selbstverständlich den Regeln der Natur und des menschlichen Empfindens. Einfach, aber auch schön. Der heutige Architekt möchte hauptsächlich auffallen und sich selbst zum Herrn über die Natur machen.
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Samstag, 31. Oktober 2009, 01:11

Zum Abschluß die obligaten Photos vom Bahnsteg. Zuerst einmal Richtung Jedlersdorf-Transit. Wo rechts neben den Gleisen noch Grünland ist, befindet sich heute eine Verkehrshölle mit Abgasen, Gestank und einem andauernden Geräuschpegel.
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Samstag, 31. Oktober 2009, 01:25

Und jetzt der Blick zurück zur Prager Straße Richtung Wien Nordwestbahnhof. Am linken Bildrand erkennt man die damals bereits bestehende Schnellstraße von der Nordbrücke zur Brünner Straße, allerdings noch in kleiner Ausführung.

Das kleine Gebäude rechts neben dem Gleis ganz bei der Prager Straße ist das einzige, das heute noch steht. Es gehört zu einer Autohandlung. Die Gleise gingen bis unmittelbar zur Prager Straße.

Gleich vor dem Gebäude erkennt man die Abzweigeweiche zu den Zufahrtsgleisen in die ehm. HW Jedlesee, die an der Straßenseite des Aufnahmsgebäudes vorbeiführten. Unmittelbar rechts neben dem Empfangsgebäude kann man den Bahnübergang der Zufahrtsstraße mit dem Andreaskreuz erkennen.

Und wieder wurden klare Grenzen duch die alten Holzzäune gesetzt. Sie trennen den Gleisbereich vom Straßenbereich ab. Selbst 25 Jahre nach Einstellung des Personenverkehrs macht das Ganze noch einen sehr ordentlichen und gepflegten Eindruck. Ganz im Unterschied z.B. zur Station Strandbäder, die vor 10 jahren noch bedient wurde, heute aber einen desolaten, unordentlichen und mit Graffiti beschmierten Eindruck hinterläßt.
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Josh

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Sonntag, 27. Januar 2013, 19:08

In welchen Jahren wurde die Schnellstraßen-Brücke (die mit den grünen Seitenwänden) über die Prager Straße errichtet? Wann war Freigabe des Schnellstraßenabschnitts von der Prager Straße zur Brünner Straße?

Bis zu welchem Jahr war der Bahnhof Jedlesee für den Personenverkehr in Betrieb? Gab es danach noch Güterverkehr? Waren da Bahngleise (evtl. Abstellgleise), oder ein Zugangssteg zum Bahnhof zum Teil über der Prager Straße errichtet?

29er

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Sonntag, 27. Januar 2013, 19:26

Bis zu welchem Jahr war der Bahnhof Jedlesee für den Personenverkehr in Betrieb? Gab es danach noch Güterverkehr?

Die Einstellung erfolgte am 30. Mai 1959. Danach wurde der Bahnhof Jedlesee ein Teil des Bhf. Jedlersdorf gab es noch längere Zeit GV (Bedarfszüge bis in die 90er Jahre?!).